Ich mach mit!

Überblick über die Mitarbeitsstruktur in der Zellgemeinde Bremen

Einleitung

Die Zellgemeinde ist eine Mitmachgemeinde. Sie versteht sich nicht als eine nach innen gerichtete kirchliche Organisation, sondern als ein offenes Netzwerk von Jesus-Schülerinnen und -Schülern. Gemeinsam teilen wir uns die anliegenden Aufgaben auf und bringen uns mit den von Gott gegebenen Begabungen ein.

Bei der weiteren Entwicklung der Gemeinde möchten wir nicht nur stabile Teams für bereits Bestehendes formieren, sondern auch neue Ideen ausprobieren und diese zum Wohle interessierter Menschen und des Gemeinwesens umsetzen.

Die Zusammensetzung der Zellgemeinde verändert sich im Laufe der Zeit. Dementsprechend müssen sich auch Arbeitsfelder anpassen, ändern oder sogar wieder aufgelöst werden. Uns liegt daran, dass sich die Einsatzmöglichkeiten in der Gemeinde an den konkret vorhandenen Menschen orientieren und nicht Menschen für bestimmte Aufgaben “zurechtgebogen” werden. Ideal ist es, wenn Begabungen und Aufgaben stimmig zusammen passen.

Die Atmosphäre

Das neue Testament macht sehr deutlich: Ein Glaube, der sich nicht in anschließender Einsatzbereitschaft und “Taten der Liebe” zeigt, ist nutzlos und gleicht einer religiösen Einbildung (Gal.5,6). Das Tun ist aber nicht dazu da, bei Gott “eine gute Figur” zu machen, oder um sich dadurch “das Heil” zu verdienen. Wenn Glaube zu Engagement führt, geht es darum, anderen Menschen auf ihrem Weg behilflich zu sein. Jesus hat vorgelebt, dass jemand, der groß sein will, bereit sein muss, anderen zu dienen (Mt.20,26).

Er sagte von sich: “Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben hinzugeben, damit viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden." (Mk.10,45 Hfa).

Von Jesus lesen wir: Er war bereit, sich vor seinen Jüngern hinzuknien und ihnen den Straßenstaub von ihren Füßen zu waschen. Solche Arbeiten verrichteten damals Knechte oder Sklaven. Bei Jesus hat Größe also nichts mit Beherrschung anderer zu tun, sondern mit der Freiheit, von sich abzusehen und anderen zur Unterstützung zu leben. Paulus spricht in einem seiner Briefe von einer "gegenseitigen Unterordnung" (Eph.5,21). Dieses Verhalten nach dem Vorbild Christi ist die Atmosphäre in einer gesunden, christlichen Gemeinschaft.

Später schreibt Petrus: “Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben hat. Wenn ihr die vielen Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, setzt ihr sie richtig ein.” (1.Petr.4,10 Hfa). Hieran erkennen wir, dass es über die allgemeine Dienst- und Hilfsbereitschaft hinaus unterschiedliche Begabungen gibt. Dabei steht das Bild eines Leibes mit verschiedenen Körperteilen vor Augen (1.Kor.12,12). Im Zusammenspiel ergänzen sich die Teile in ihrer Funktion.

Das Ziel von Begabungen ist es, dass sie zum Nutzen aller und zum Aufbau der Gemeinschaft eingesetzt werden (1.Kor.12,7; 14,26).

Drei Ebenen des Engagements

Je nach Lebensphase haben einzelne unterschiedlich viel Zeit, um sich einzubringen. Wir unterscheiden in der Zellgemeinde drei Ebenen der Mitarbeit. Jeder dieser Bereiche erfordert einen anderen Zeiteinsatz und folgt anderen Leitlinien.

A) Solidaritätsdienst

Im Haushalt gibt es Arbeiten, die keiner gerne macht. Zum Beispiel gehört dazu: Staub zu saugen, das Klo zu putzen, den Müll rauszubringen, abzuwaschen oder die Spülmaschine ein- oder auszuräumen. Kaum einer würde sagen, er fühlt sich für diese "niedrigen" Aufgaben besonders begabt und ist dankbar, wenn er diese permanent ausführen dürfe. Die Tendenz geht eher dahin, dass man versucht, sich davor zu drücken und hofft, dass jemand anderes "das" übernimmt.

In der Gemeinde ist es nicht anders. Je größer eine Gruppe wird, desto mehr nimmt diese Entwicklung sogar zu: Nur noch wenige übernehmen "undankbare Aufgaben". Die Übrigen hoffen, dafür nicht angesprochen zu werden. Wenn es schlecht läuft, bildet sich in einer Gruppe ein unsichtbares Gefälle zwischen denen, die “sich aufopfern" und denen, die "nur konsumieren". Am Ende dieser Entwicklung gibt es auf Seite der Einsatzbereiten Verbitterung und pauschale Vorwürfe an den Rest der Gruppe, der sich zu wenig engagiert. Das vergiftet eine Gemeinschaft.

Um diese Entwicklung zu verhindern, gibt es in der Zellgemeinde den Solidaritätsdienst. Die Regel ist ganz einfach: "Aufgaben, die keiner gerne übernehmen möchte, teilen wir uns gerecht auf und erledigen sie gemeinsam."

Zu diesen "undankbaren" Arbeiten gehören in der Kantine 5 der sonntägliche Auf- und Abbau für den Gottesdienst. Ebenfalls möchte keiner jeden Sonntag Kaffee/ Tee kochen und am Ende die benutzten Tassen wieder abwaschen. Deswegen erledigen wir diese Tätigkeiten gemeinsam in einem Rotationsverfahren. Das A-Team baut auf und kocht Kaffee/ Tee, das B-Team wäscht ab und räumt alles wieder in den Abstellraum zurück. Zur Ausführung dieses Dienstes wird ca. alle 3 Monate ein Doodle-Planungslink per Mail verschickt, in dem sich jede/r für einen bestimmten Zeitblock eintragen kann.

Die Bereitschaft zum Solidaritätsdienst ist eine Basisvoraussetzung für Mitgliedschaft in der Zellgemeinde. Leute aus dem festen Freundeskreis sind eingeladen, sich bei diesem Dienst zu beteiligen. Wir freuen uns über jeden, der auf diese Weise mithilft, die Gemeinschaft der Zellgemeinde zu unterstützen und zu stabilisieren.

Der hervorragende Nebeneffekt dieses rotierenden Soli-Dienstes ist ein dreifacher:

  • Wenn man miteinander einfache Hilfsarbeiten ausführt, kann man ganz leicht neue Leute kennen lernen und findet nahezu nebenbei in die Gemeinde hinein.
  • Dadurch, dass im Laufe der Zeit jeder weiß, wo welche Materialien lagern und welche Handgriffe für die Basis-Arbeiten nötig sind, entsteht eine hohe Flexibilität in der Mitarbeitsstruktur. Bei plötzlichen Ausfällen durch Krankheit oder andere Umstände können ohne lange Einführung  Leute einspringen und kurzfristig die Arbeiten übernehmen.
  • Die freundliche Verpflichtung, dass jeder regelmäßig die einfachsten Arbeiten erledigt, bewahrt uns vor einer schleichenden Bewertung der Arbeitsfelder. Keiner kann sich aus diesen "undankbaren Arbeiten" davon stehlen mit der Begründung, er hätte Wichtigeres zu tun. So erhalten wir die Dienstatmosphäre, bei der man sich für keine Arbeit "zu schade" ist.

B) Besondere Dienstbereiche

Jeder Mensch hat je nach Persönlichkeit und Ausbildung verschiedene Fähigkeiten. Auf diese Weise können wir uns gegenseitig ergänzen. Deswegen lautet die Leitlinie für diesen Bereich: "Auf der Grundlage von Solidarität wählt jeder die Aufgabe, die er/sie für sich als passend empfindet und wo er/sie gebraucht wird."

Für die verschiedenen Arbeitsbereiche am Sonntag streben wir Teamgrößen an, bei denen man kaum häufiger als ca. 1x im Monat dran ist. Das bedeutet: Wenn pro Sonntag eine Person gebraucht wird, sind die Teams in der Regel mindestens 4-5 Personen groß. Braucht es zwei Leute pro Sonntag, erweitert sich die Teamgröße dementsprechend. Kleine Teams organisieren sich ohne viel Aufwand über eine Doodle-Einsatzliste. Größere Teams - wie zum Beispiel im Kinderbereich - finden sich zusätzlich auch während der Woche zu Mitarbeitertreffen zusammen, um die weitere Entwicklung zu besprechen.

Um seine Begabungen herauszufinden, ist es möglich, Gabentests durchzuführen. Das kann einem helfen, eine erste Orientierung zu gewinnen. Häufig ist es aber nötig, in ein konkretes Arbeitsfeld hineinzuschnuppern, um einen direkteren Einblick zu bekommen. In der Zellgemeinde soll das in allen Bereichen möglich sein, ohne sich gleich zu Beginn schon für länger festlegen zu müssen.

Je nach gemeindlicher Vorprägung versuchen Christen zwischen natürlichen und geistlichen Begabungen zu unterscheiden. Unter "natürlich" versteht man dann eher praktische Fähigkeiten. Als "geistlich" gilt nur das, was in den Aufzählungen des Neuen Testaments vorkommt (Röm.12,3-8; 1.Kor.12,12-30). Hilfreich ist diese Unterscheidung nur insofern, als dass sie uns erinnert: Der Aufbau einer christlichen Gemeinde ist nicht allein mit menschlich-natürlichem Organisationstalent zu bewerkstelligen. Es braucht direktere Wirkungen des Heiligen Geistes, damit sich eine christliche Gemeinschaft gesund entwickelt.

Bei allem gilt aber: Es ist gut, sich nicht zu sehr in verschiedenen Lehrmeinungen und möglichen Diskussionen zu verlieren. Paulus schreibt: "Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn." (Kol.3,17)

Die aktuellen Besetzungen der eher begabungsorientierten Teams mit den jeweiligen Leitern sind im internen Bereich der Website zu finden: https://www.zellgemeinde-bremen.de/mitmachen

C) Leitungsverantwortung

In der Zellgemeinde gibt es bestmöglich "flache Hierarchien". Damit ist gemeint: Wir fördern transparente Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen, so dass jede/r mitdenken und initiativ werden kann. Leiter haben nicht die Aufgabe "alles zu bestimmen", sondern geben Richtungsimpulse und ermutigen einzelne Leute, sich selbst zu engagieren. Dabei ist darauf zu achten, dass wir koordiniert zusammenarbeiten und man nicht isoliert "sein Ding  durchzieht”.

Wir wollen nicht mit Kontrollmechanismen arbeiten, um "den Laden am Laufen" zu halten. Deswegen braucht es gemeinsame Werte und viel Vertrauen. Leitungsverantwortung kann deswegen in der Regel nur jemand übernehmen, der sich die Grundüberzeugungen in der Zellgemeinde zu eigen macht und in Mitgliedschaft seine Zugehörigkeit zum Ausdruck bringt.

Je nach Größe eines Arbeitsbereiches finden sich auch die Leiter zu regelmäßigen Treffen zusammen. Dieses ist zum Beispiel bei Zellgruppen der Fall. Einmal im Monat treffen sich alle Zellgruppenleiter im Zellteam-Treffen. Dort tauschen wir uns über die eigene Befindlichkeit in der Leitungsverantwortung aus, lernen von einander und beten für die weitere Entwicklung der Gruppen. Leiter der verschiedenen Dienstbereiche leisten den größten regelmäßigen Zeiteinsatz in der Zellgemeinde.

Wenn man "Leitung" nicht als Hierarchie, sondern als "Dienstfunktion für das Ganze" versteht, kann man ahnen, dass starre Strukturen für diese Aufgabe nicht angemessen sind. Verstehen wir darüber hinaus die Gemeinde nicht in erster Linie als Sonntagsversammlung, sondern als Netzwerkstruktur, die die ganze Woche über pulsierend in der Stadt lebt und sich auch am Sonntag gemeinsam trifft, entsteht ein noch dynamischeres Bild. Leitung bedeutet dann, sich flexibel auf die Gegebenheiten einzustellen, zu sehen wo Leute wohnen und arbeiten, wie die Gemeindestruktur ihr christliches Leben fördern kann und welche neuen Ideen am Horizont erscheinen.

Bleiben wir bei diesem Gedanken der "Ermöglichung und Freisetzung". Paulus formuliert im Epheserbrief ganz hervorragend: "Einige hat er zu Aposteln gemacht, einige reden in Gottes Auftrag prophetisch, und andere gewinnen Menschen für Christus (Evangelisten). Wieder andere leiten die Gemeinde (Hirten) oder unterweisen sie im Glauben (Lehre). Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde Jesu aufgebaut und vollendet wird. Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, in der Christus mit der ganzen Fülle seiner Gaben wirkt." (Eph.4,11-13 Hfa)

Der sogenannte Fünffältige Dienst ist dazu da, Jünger Jesu auf ihrem Weg zu unterstützen und sie zu mündigen Christen zu machen. Wir verwenden diesen Bibelvers, um die verschiedenen Leitungsdienste zu gruppieren und kombinieren das mit dem fünffältigen Auftrag (J.A.F.E.D. = J-üngerschaft, A-nbetung, F-reunschaft, E-vangelisation, D-ienst):    

  • Jüngerschaft / Lehrdienst: Es ist gut, sich mit allen lehrbegabten Leitern abzustimmen, welche biblischen Überzeugungen wir in der Zellgemeinde vertreten. Wenn dieser Bereich wächst, wird sich wieder ein Lehrteam bilden. Auch wird es hilfreich sein, in Zukunft Schulungsmaterial für verschiedene Themenfelder zu entwickeln.
  • Anbetung / Prophetie: Unter "Prophetie" ist nicht "christliche Wahrsagerei" zu verstehen. Vielmehr geht es darum, ein Gespür für die aktuelle Präsenz Gottes zu entwickeln und andere hineinzunehmen. Anbetungsleiter haben die besondere Aufgabe, gemeinsame Gebetszeiten zu gestalten.
  • Freundschaft (Gemeinschaft) / Hirtendienst: Das Beziehungsgeflecht wird durch die Zellgruppen/ Kindergruppen gefördert und abgebildet. Zellgruppen- bzw Kindergruppenleiter achten auf die Integration von Neuen und auf eine offene, warmherzige Atmosphäre in der Gemeinde.
  • Evangelisation / Weitergabe des Evangeliums: Dieser Unterstützungsdienst heißt bei uns KK-Team für “Kreative Kommunikation”. Ziel ist es immer andere Gelegenheiten zu schaffen, seinen Glauben zu formulieren und mit Menschen, die daran Interesse haben, in Kontakt zu kommen.
  • Dienst / Apostolische Energie: Viele Begabungen sind zum Aufbau des Leibes Christi (der Gemeinde) geeignet. Dabei darf man aber nicht stehen bleiben. Die Gemeinde an sich, mit ihren verschiedenen Arbeitsbereichen und Funktionen, ist kein Selbstzweck. Auch die Körperteile des menschlichen Körpers sind nur begrenzt dazu da, sich selbst zu erhalten und zu pflegen. Letztendlich hat unser Körper die Aufgabe, mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Leiter mit apostolischer Begabung helfen dabei, die Gemeinde in gesunder Weise als Dienstgemeinschaft in der Umwelt zu verankern. Eine hilfreiche Rahmenstruktur ist Serve the City.

Die letzte Verantwortung trägt die Gemeindeleitung. Sie wird für drei Jahre gewählt und setzt sich immer neu nach dem Votum der Gemeinde zusammen.     

Entwicklungsrichtungen

Die meisten Mitarbeitsfelder ergeben sich aus dem Sonntagsgottesdienst. Wir versuchen, alle Bereiche gleichmäßig abzudecken, damit sich jede/r einbringen kann und niemand überfordert wird.

Langfristig ist auf Folgendes zu achten: Wir möchten unser Engagement ausgewogen sowohl nach innen als auch nach außen richten. Erfahrungsgemäß entwickeln Gemeinden oftmals die Tendenz, zu viele nach innen gerichtete Dienste zu installieren. Im schlimmsten Fall ist dies ein "Fass ohne Boden" und es bleibt keine Energie mehr, um als Gemeinschaft das Gemeinwesen zu unterstützen.

Wir sind der Überzeugung, dass die Zellgemeinde geistlich, sozial und finanziell stabil genug ist, um mehr externe Projektideen zu verwirklichen. Gehe mit offenen Augen durch die Stadt und überlege mit, wie deine Zellgruppe, dein Kinderteam, die Gemeinde als Ganzes oder du als Einzelperson neue Dienst- oder Kulturprojekte initiieren kannst.